Es war ein Tag, wie jeder anderer, ein ganz normaler Alltag.

Ich habe eingekauft, unter anderem auch frisches, lecker duftendes Brot und mich schon darauf gefreut, es am Abend zu essen. Du kennst sicher auch die Vorfreude auf etwas Schönes oder Leckeres…

bread-1053591_640Dann kam der Abend. Ich ging in die Küche, um etwas zu essen. Da war sie wieder, ganz deutlich, die Freude auf das frische Brot. Ich holte Sachen aus dem Kühlschrank und griff nach dem in Papier eingeschlagenem Brot. Doch da sah ich, dass da noch eine Tüte mit einem Stück von dem „alten“ Brot lag, gerade genug für mein Abendessen.

„Ja, dann esse ich natürlich erst das auf, es ist ja noch völlig ok.“ – dachte ich und ließ das frische Brot erstmal liegen. Ich ging mit dem Restbrot in Richtung Küchentisch. Als ich am Tisch ankam, merkte ich, dass ich mich irgendwie eigenartig unwohl in meinem Herzen fühlte. Ich kriege solche Veränderungen immer sofort mit, manchmal ohne direkt zu wissen, was passiert ist. Aber wenn ich dann in mich hineinhorche, offenbart sich mir der Grund immer augenblicklich. Ich stand also am Tisch und fühlte mich schwer, unwohl. So, als hätte sich eine Wolke vor meine innere Sonne geschoben. Ich hielt inne und fragte mich: „Was ist los?“

In der nächsten Sekunde wusste ich es: Das Brot!

Es war, als hätte mein Inneres Kind vor mir gestanden, enttDas Innere Kind Sina Nanasiäuscht, und mir gesagt: „Ich habe mich schon den ganzen Tag auf das leckere, frische Brot gefreut! Es duftete so schön und ich konnte die knusprige Kruste schon schmecken…!
“ Wow! – dachte ich…! Und tat spontan etwas, was man „eigentlich nicht tut“. Ich habe das Restbrot direkt in den Müll gepfeffert. Ja, man hätte es noch essen können. Aber ich wollte ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für mich selbst. Ein Zeichen für mein Inneres Kind.

Wie oft ist man im Leben „vernünftig“,

handelt überlegt, nimmt sich zurück, beherrscht die eigenen Bedürfnisse. Ja, das haben wir gelernt und es ist gut es zu können. Das unterscheidet einen Erwachsenen von einem Kind. Der Erwachsene hat gelernt, abzuwägen, Prioritäten zu erkennen und zu setzen, sich nicht immer von den Bedürfnissen lenken zu lassen, zu tun „was getan werden muss“. Aber es zu können, bedeutet nicht, es immer tun zu müssen. Wie oft übergehen wir uns selbst im Leben, ganz automatisch, ohne es zu merken. Oder wir merken es, aber trauen uns nicht aus der Reihe zu tanzen. Wir sind ja gut erzogen. Wir sind vernünftig. Wir sind erwachsen. Ja, das sind wir und sollen es auch sein. Aber, wie so oft im Leben, kommt es hier auch auf die richtige Mischung an.

Es kommt darauf an, beides zu können und beides zu tun:

Der vernünftige Erwachsene zu sein, aber die spontane, authentische, nicht von der Vernunft gesteuerte Ebene in uns nicht zu unterdrücken. Erwachsensein bedeutet zu spüren, wann ist das eine und wann das andere angebracht. Damit das Kind in uns nicht verraten wird. Damit unsere Bedürfnisse nicht verstummen. Damit wir authentisch bleiben. Damit wir nicht nur „erfolgreich“, sondern auch glücklich leben können.

Wie viele Menschen gibt es, die sich nicht kennen, die ihre Bedürfnisse nicht kennen.

Ich habe oft Klienten, die an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben merken, dass sie nicht wissen, was sie eigentlich wollen, wer sie sind und worauf es in ihrem Leben ankommt. Ob sie im Außen erfolgreich sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Weil sie ihre innere Stimme nicht mehr hören. Weil sie verlernt haben, die eigenen Bedürfnisse zu spüren. Weil sie nicht mehr wissen, wofür ihr Herz schlägt. Wie soll man authentisch sein, wenn man sich nicht spürt? Wie soll man das innere Glück finden und leben, wenn die Vernunft und die Pflichten täglich den Ton angeben?

Zum Glück gibt es das Innere Kind. Zum Glück warnt es uns, wenn wir „zu erwachsen“ sind.

Wir müssen nur bereit sein, seine Stimme zu hören und sie ernst zu nehmen. Ihr Gehör zu schenken.
Wer mit Kindern zu tun hat weiß, wie viel man von ihnen lernen kann. Welch ein Geschenk sie für uns eingefahrene Erwachsene sein können, mit ihrer authentischen, lebendigen Sichtweise. Mit ihrer Leichtigkeit und ihrer Fähigkeit, das Leben zu genießen. Solch ein Geschenk ist auch dein Inneres Kind. Wenn du es dir zum Freund machst, wird es für dich wie ein innerer Kompass sein. Es wird das Ziel „Glücklichsein“ nicht aus dem Blick verlieren und dich immer wieder daran erinnern. Es wird dich warnen, wenn du in die falsche Richtung läufst. Es wird dich liebevoll aufrütteln, wenn du in dem „Erwachsensein“ stecken bleibst. Es wird dich daran erinnern, was wirklich wichtig ist. Und dass die Freude im Leben mindestens so wichtig ist, wie die Vernunft.

Ja, gemeinsam könnt ihr euch ein Leben erschaffen, um das euch viele beneiden könnten… Wäre das nicht wunderbar?

Beobachte dich im Alltag. Wo beschränkst du dich unnötig?

Vielleicht aus Gewohnheit. Wo bist du zu streng, zu hart zu dir? Wo verlangst du dir zu viel Disziplin ab, auf Kosten der Freude? Lockere deine Grenzen, wo es geht. Nur weil etwas „immer schon so war“ bedeutet es nicht, dass es (immer noch) so richtig ist. Prüfe deine Regeln und prüfe, welche du von ihnen blind übernommen hast, ohne sie zu hinterfragen.
Baue eine Beziehung zu deinem Inneren Kind auf. Lass dich von ihm bei deinem Glücklichsein unterstützen.

Und vor allem, lass das wundervolle göttliche Kind in dir leben. Atmen. Gib ihm das frische Brot. Es hat das Beste verdient. So wie du das Beste verdienst. Sei gut zu dir. Du bist wertvoll und wundervoll.

In Liebe,
Unterschrift